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Irgendwann bei einer Probe in den vergangenen Wochen habe ich den Ausspruch geprägt: „Jeder Wein hat das Recht, mich positiv zu überraschen.“ Einerseits ein Plädoyer für den aufgeschlossenen und unvoreingenommenen Umgang mit Wein, andererseits Ausgangspunkt für Überlegungen, die eine Analogie in der Tierwelt suchen.

Während meiner Ausbildung zum Restaurantfachmann vor knapp 25 Jahren habe ich gelernt: Weißwein vor Rotwein – in der Menüfolge ebenso wie bei Degustationen. Aber ist das wirklich immer die beste oder die einzig mögliche Reihenfolge? Mit meiner heutigen Verkostungserfahrung wage ich dazu einige Überlegungen.

Vor zehn Jahren eröffneten Bernd Klingenbrunn und Armin Busch (damals noch Maurer) ihre Weinhandlung K&M Gutsweine in Frankfurt-Bockenheim. Seitdem kenne ich die beiden, und inzwischen gibt es auch ein zweites Geschäft im Frankfurter Nordend. Am 9. Mai veranstaltete K&M Gutsweine zum siebten Mal den „Frankfurter Wein- & Genuss-Tag“, der im Private Dining Club von Fernsehkoch Mirko Reeh in Bornheim stattfand.

Als Weinkritiker und Weinjournalisten ist es unsere Aufgabe, Weine verständlich zu beschreiben und sensorische Wahrnehmungen in eine geeignete Sprache zu fassen. Dafür müssen wir wissen, wie Konsumenten ihre Geschmacksempfindungen verbalisieren, mit welchen Begriffen sie ihre Sinneseindrücke wiedergeben.

Kollegen waren versucht, mir zu unterstellen, dass meine Weinleidenschaft „pathologisch“ sei, denn nach dem Ball des Weines in Wiesbaden und einem intensiven Verkostungstag auf der VDP-Weinbörse in Mainz – während dessen ich in rund acht Stunden 26 Weingüter besuchte und über 125 Weine probierte – folgte ich gern der Einladung des Domdechant Werner‘schen Weinguts in Hochheim zu einer intimen Probe gereifter Rieslinge im Gutshaus.

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