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Kai Buhrfeindt vom Frankfurter Weinrestaurant Grand Cru müsste beim Titel dieses Beitrags eigentlich aufhorchen, denn so nennt er in dem ihm eigenen Understatement und nur scheinbar despektierlich gereifte Weine – vornehmlich von exzellenter Qualität. Ich durfte im nun zu Ende gehenden Jahr eine ganze Reihe reifer Weine nicht nur verkosten, sondern wahrhaftig trinken, und diese will ich im Folgenden Revue passieren lassen.

Der November ist zu einem der wesentlichen Messemonate in der Wein- und Genussszene geworden. Allein ich besuchte an den Wochenenden in diesem Monat fünf Ausstellungen rund um Wein, Spirituosen und Kulinarik: zwei in Mittelfranken und drei in Frankfurt; eine davon war sogar eine selbst (d.h. von Wein-Plus) veranstaltete.

Zum zweiten Mal hatte Wein- und Gastronomieberater Harry H. Hochheimer einen rein schwulen Gästekreis zum „Sister Day“ eingeladen, um einige Weine aus seinem (reichhaltig bestückten) Keller zu verkosten. Bei der Auswahl der Gewächse hatte er sich – einem Wunsch meinerseits entsprechend – auf Burgunder konzentriert. So probierten wir zu acht insgesamt zehn weiße und rote Weine aus Reben der Burgunder-Familie sowie zusätzlich drei Weine aus anderen Rebsorten, die aus Deutschland, Österreich und Frankreich kamen.

Eins vorweg: Hier geht es ausschließlich um Nürnberg, nicht (auch) um Frankfurt oder irgendeine andere Stadt, sondern nur um die Kapitale Mittelfrankens, die deutlich stärker der Bier- als der Weinkultur verfallen ist. Seit einigen Monaten gibt es hier aber ein Weinrestaurant, das seit meinem ersten Besuch dort mein Lieblingslokal in der Stadt ist: So etwas hatte ich bis dahin vermisst und gesucht.

„Rettet Europa!“ war das Motto einer privaten Weinprobe mit Freunden, zu der jeder aus einem ihm zugewiesenen Land einen Wein mitzubringen hatte. „Gerade jetzt, wenn die ‚eiserne Angie‘ in allen europäischen Krisenstaaten mehr denn je gefürchtet wird, sollten wir diesen Länder zumindest durch den Verzehr ihrer Weine ein wenig unter die Arme greifen“, hieß es in der Einladung. Dementsprechend gehörten die ausgewählten Länder zu denen, in denen das Verhältnis zwischen Staatsverschuldung und Bruttoinlandsprodukt, wie wir erfuhren, besonders prekär ist: Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und Zypern.

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