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Mit Freundinnen war ich zu Gast in der „Paris‘ Bar“ in Frankfurt-Sachsenhausen. Wir verlebten einen lukullischen Abend mit sehr guten Weinen und köstlichen Tapas im Wert von über 50 Euro pro Person, doch der Service war insgesamt wenig souverän. Das Lokal hätte Besseres verdient.

Die Weinauswahl in der „Paris‘ Bar“ ist verlockend – Crémant Blanc de Noirs, Frühroter Veltliner, Verdicchio, Verdejo, Chablis Vieilles Vignes, um nur einmal das Spektrum zu skizzieren, das ich hatte. Auch die Küche wartet mit verführerischen Kleinigkeiten auf – besonders empfehlenswert beispielsweise Wildschwein- und Trüffelsalami, Chorizo vom Iberico-Schwein, Wildlachs auf Blinis, Ziegenkäse oder Datteln im Speckmantel (vernachlässigbar dagegen die Avocado mit Shrimps: beides eher geschmacklos). Das Interieur ist modern und gemütlich – nur die Gastorientierung ist trotz vollmundiger Worte auf der Internetseite, sagen wir, ausbaufähig.

Ja, es herrschte Hochbetrieb an diesem Abend (Freitag, Messezeit), und ich gestehe jedem Serviceteam zu, dass es ins Schwimmen kommt (selbst oft genug erlebt). Dennoch scheint mir in der „Paris‘ Bar“ die grundsätzliche Einstellung nicht ganz zu stimmen. Es fehlte an Authentizität, Herzlichkeit und auch einer klaren Linie, denn die beiden Herren, die bedienten, traten mal gestelzt („Was wünschen die Herrschaften?“), mal burschikos („Sonst noch was? Schnell!“) auf. An unserem Konsum ließ sich erkennen, dass wir deutlich umsatzbereit waren, doch nach der Initialbestellung kam man fast nur nach ausdrücklicher mimischer, gestischer oder verbaler Aufforderung oder zum Abräumen an den Tisch; es mangelte am professionellen aufmerksamen gastronomischen Rundumblick. Das sei, wie gesagt, mit dem starken Gästeaufkommen entschuldigt, und einmal Bestelltes kam in der Regel auch prompt.

Das, was allerdings am schnellsten gebracht wurde, war die Rechnung. Und darauf waren alle Weine als 0,2-Liter-Gläser berechnet. Die (Weißwein-)Gläser, die wir serviert bekommen hatten, hatte ich jedoch aufgrund des kleinen Kelchs als sehr großzügig eingeschenkte 0,1-Liter-Gläser interpretiert, zumal wir in mehreren Fällen explizit – wie auch auf der Karte neben 0,2 Litern offeriert – 0,1 Liter bestellt hatten. Eine genauere Inaugenscheinnahme der Gläser ergab, dass sie keinen Füllstrich hatten – was ich daraufhin an der Theke reklamierte. Denn laut Deutschem Hotel- und Gaststättenverband und Eichgesetz dürfen offen angebotene Weine nur in Gefäßen serviert werden, die einen Füllstrich haben. Darauf angesprochen, bekannte der Service, dass man die Rechtslage nicht kenne und die offenen Weine stets mit einer Karaffe mit Füllstrich – die ich gezeigt bekam – abmesse und in die Gläser schenke (wobei ich dieses Vorgehen an diesem Abend nicht bewusst beobachtet habe). Unzweifelhaft war, dass die betreffenden Gläser 0,2 Liter fassten – wenngleich ich auf den angebotenen praktischen Beweis verzichtete – und dass wir jeweils auch diese Menge konsumiert hatten, so dass die Rechnung faktisch korrekt war.

Nicht korrekt ist jedoch, dass der Gast in der „Paris‘ Bar“ nicht die Möglichkeit hat, die Weinmenge, die er glasweise ausgeschenkt bekommt, zu überprüfen, so dass wir mehr getrunken (und gezahlt) haben als bei der jeweiligen Bestellung gedacht. Das bleibt als sehr bedenklicher und enttäuschender Eindruck von diesem ansonsten genussreichen und geselligen Abend zurück. Ich werde den Link zu diesem Blogbeitrag auch dem Inhaber der „Paris‘ Bar“ übermitteln und hoffe, dass er sein Konzept ändert. Meine Lust, das weinaffine Bistro alsbald erneut zu besuchen, ist indessen sehr begrenzt.